Skip to main content
Flüchtlinge vor dem Brandenburger Tor

Flüchtlinge brauchen eine App: Die Stunde des Mobile Governments?

60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Sie sind auf der Flucht und auf der Suche nach einem neuen Leben mit echten Chancen und ohne Krieg. Sie nehmen unvorstellbare Strapazen auf sich – und stehen immer wieder vor immensen Herausforderungen. Aber auch die öffentlichen Verwaltungen der aufnehmenden Länder finden sich oft, seitens der Politik unvorbereitet, in belastenden Situationen wieder. Sie sollen und wollen die hilfesuchenden Menschen in Deutschland angemessen versorgen.

Das erste Mal in der jüngeren Geschichte hat Mobile Government die Möglichkeit zu zeigen, welches Potenzial in ihm schlummert. Soweit man den meisten seriösen Medienberichten Glauben schenken darf, kommt ein Großteil der Flüchtlinge mit einem funktionsfähigen Smartphone hier an. Die Flüchtenden nutzen dies hauptsächlich um Kontakt zu ihren Freunden und Verwandten in der Heimat zu halten.

Daraus ergeben sich nun aber auch weitere Möglichkeiten, die weit über die reine Kommunikation nach Hause hinausgehen. Und das Potenzial des Mobile Governments blitzt schon hier und da hervor: In Dresden ist eine IT-Agentur hingegangen und hat unter dem Motto „Anpacken statt pöbeln“ eine sogenannte Flüchtlingsapp programmiert. Unter dem Namen „Welcome to Dresden“ findet man die App sowohl in der IOS- als auch der Android-Variante. Wichtige Informationen auf einen Blick zusammengetragen, übersetzt und ins Netz gestellt. Die Entwickler haben den sehr pragmatischen Weg zur schnellen Hilfe gewählt.

Einen weiteren wichtigen Aspekt der direkten Hilfe ist eine andere Initiative angegangen. Hinter www.fluechtlinge-willkommen.de steckt eine Zimmervermittlung für Asylsuchende. Die Idee dahinter ist schnell beschrieben: Ihr habt ein leerstehendes (WG-)Zimmer und wollt es einem Menschen zur Verfügung, der kurzfristig ein Dach über den Kopf sucht? Dann bringt die Webseite, Suchende und Bietende sicher und schnell zusammen.

Die Zahl der Menschen, die aktuell in Aufnahmeeinrichtungen und Flüchtlingsunterkünften untergebracht werden, steigt stetig an. Neben der Frage der Unterkunft muss vor allem auch geklärt werden, wie diese Menschen schnell und unbürokratisch mit den lebensnotwendigen Dingen des Alltags versorgt werden. Glücklicherweise gibt es aktuell eine große Solidarität und Hilfsbereitschaft in der deutschen Bevölkerung. Oft weiß man aber nicht genau was wo benötigt wird und so sind die größeren Sammelstellen für Kleider- oder Nahrungsspenden überlaufen.

Hier wäre ein weiteres Betätigungsfeld für eine konkrete App-Lösung: Spender und Empfänger müssen schneller und gezielter zueinander gebracht werden! Während das nordrhein-westfälische Ministerium für Inneres und Kommunales (aka Innenministerium) zuletzt schon einen Plan in diese Richtung andeutete, warten wir bis heute noch auf einen konkreten Vorstoß. Die Bezirksregierung Köln kommuniziert derweil schon via Twitter und versucht über diesen Kanal zu informieren und Spendenaktivitäten zu steuern.

Da bleibt dann aber immer noch das wohl größte Problem: die Sprache. Potsdam bittet als eine der ersten Kommunen Deutschlands allen Flüchtlingen bei Behördengängen einen Videodolmetscher an. Damit begegnen sie dem Problem, dass zumindest anfangs eine große Sprachbarriere das Leben der Asylsuchenden in Deutschland bestimmt. Selbstverständlich existiert diese Barriere nicht nur bei Behördengängen und daher brauchen die neuangekommenen Menschen auch hier eine entsprechende digitale Sprachunterstützung.

Skype bietet bei seiner Videotelefonie schon heute eine Echtzeitübersetzung in gängige Sprachen an. Mittlerweile gibt es auch eine Vielzahl an Apps, die Freiwillige nutzen, um kleine Übersetzungsarbeiten zu leisten oder sich sogar via Live-Schaltung als Übersetzer anbieten zu können.

Sicher gibt es noch viele weitere Beispiele internet-basierter Dienste für Flüchtlinge. Wichtig ist, dass der politische Wille bei den politisch Verantwortlichen vorhanden ist, über Mobile Government-Services, und in Vernetzung mit dem freiwilligen Engagement, praktikable Lösungen zu präsentieren. Es sind tausende Lösungen denkbar, die den Prozess der Aufnahme, die Unterbringung und die gesellschaftliche Integration erheblich vereinfachen würden. Daran muss jeder ein Interesse haben.

Zuletzt habe ich folgenden Aufruf  von @anked auf Twitter gesehen:
“ich frag mal in meine followerrunde: hätte wer lust, konkret an idee eines #refugeehackathon mitzuarbeiten u bei umsetzungsorga zu helfen?”

Die Aufgaben, die wir als Gesellschaft angesichts der Flüchtlingsaufnahme angehen müssen, können das immense Potenzial internet-basierter Services aufzeigen. Doch der Staat ist in der Pflicht. Gerade Landespolitiker müssen über ihre Landesgrenzen hinaus denken und ihre Energie für sinnvolle Hilfe für Menschen in Not aufwenden. Die Dynamik könnte sogar eine neue Ära des Open Governments einläuten – wenn man denn will.

Dieser Artikel versteht sich auch als Anstoß, das Ganze etwas „größer“ zu denken. Solange Code geteilt werden kann und Informationen frei lizensiert sind, kann eine App 800.000 Menschen binnen eines Jahres erreichen. Nachdem sich jetzt schon viele Ad-hoc-Netzwerke über Facebook und Co. gegründet haben, muss nun der nächste Schritt gegangen werden: Staatliche Unterstützung und Finanzierung bei der Entwicklung web-basierter Dienste!

Ein zentraler Schritt ist dabei die Kanalisierung des (noch weitestgehend) unkoordinierten freiwilligen Engagements hin zu durch Algorithmen unterstützte konkrete Dienstleitungen. Die Landesregierungen stehen in der Pflicht diese Services zu managen, ohne dass man sich gegenseitig behindert oder gar blockiert. Echte Hilfe und Unterstützung für vor humanitären Krisen flüchtenden Menschen kann am Touchscreen des eigenen Smartphones beginnen!

Also: Unterstützt #Freifunk! Egal wo!

Refugees welcome!

P.S. Links und Hinweise zum Thema einfach als Kommentar anfügen. Danke!

One thought on “Flüchtlinge brauchen eine App: Die Stunde des Mobile Governments?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *